Fr

28

Nov

2014

Mediation mit Familien schwerkranker Kinder

Eine Familie mit Kindern zu haben ist für viele Menschen Teil eines glücklichen Lebens. In den meisten Fällen hat dieses Beziehungssystem Eltern-Kind seine Hoch- und Tiefpunkte, aber meist läuft alles für alle Beteiligten gut. Manchmal kommt es aber vor, dass das Leben die eine oder andere wirklich einschneidende Überraschung bereit hält.

Eines dieser Dinge ist, wenn ein Kind schwer erkrankt, d.h. wenn eine schwerwiegende medizinische Diagnose erstellt wird, die eine grundlegende Veränderung des (Familien-)Lebens mit sich bringt. Egal ob es sich hier um Familien mit nur einem alleinerziehenden Elternteil oder um Familien mit zwei Elternteilen handelt, eine solche Situation bringt auf alle Fälle massive Herausforderungen mit sich, die im Augenblick auch als schier unüberwindbar empfunden werden können.

Die Aufmerksamkeit von Eltern, die mit einer schweren Erkrankung ihres Kindes konfrontiert sind, gilt in der Regel der Sorge um das Wohlergehen des Kindes. Hier ist vor allem wichtig, dass das erkrankte Familienmitglied optimal medizinisch versorgt wird. Zusätzlich treten sowohl bei den Eltern, als auch bei den jungen Patientinnen und Patienten Ängste und Sorgen über die weitere Zukunft zu Tage, die durchwegs als massiv oder gar existenziell empfunden werden können. Oft werden diese Empfindungen gern „weggedrückt“ - schließlich geht es ja darum, weiter zu funktionieren. Dies gelingt meist nur in einem sehr begrenzten Ausmaß. Gänzlich verschwinden werden diese Ängste nicht. Viele Gesundheitseinrichtungen haben dies erkannt und bieten Betroffenen eine Betreuung durch Psychologinnen und Psychologen an. Wissenschaftliche Studien belegen, dass diese wichtige, zweite Säule der Betreuung wesentlich zu einer schnelleren Heilung, zumindest aber zu einer Minderung des empfundenen Leides beitragen kann. Wird für die Seele gut gesorgt, kommt das auch dem Körper zu gute.

Wie kann eine Mediatorin oder ein Mediator in solchen Fällen unterstützen?

Gerade dann, wenn der Fokus auf dem kranken Kind liegt, meldet sich das Leben – oder besser gesagt der Alltag – wieder zurück und fordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Oft äußert sich dies in den, unter normalen Umständen, einfacheren Dingen des Lebens: die Sicherstellung eines geregelten Tagesablaufs für Geschwisterkinder, die Pflege sozialer Kontakte, Bezahlung laufender Rechnungen, tägliche Einkäufe, u.s.w. Dann gibt es noch Herausforderungen, deren Bewältigung unter Umständen Auswirkungen auf die weiter entfernte Zukunft hat. Hier ist vielleicht die Beziehung beider Elternteile, die gepflegt werden möchte, obwohl die Eltern in dieser Ausnahmesituation oft gar nicht in der Lage sind, aufeinander einzugehen, oder sich gegenseitig ihre Befürchtungen einzugestehen. Oft gibt es einen Arbeitgeber, mit dem die nächste Zeit geplant werden sollte. Wie möchten oder können Eltern damit umgehen, wenn die Krankheit des Kindes bleibende Folgen hinterlässt? Welche Vereinbarungen sollen in so einem Fall getroffen werden? Gerade solche Situationen, in denen es gut ist, intensiv miteinander zu reden, bergen ein gewisses Potenzial für Konflikte. Diesen Konflikten kann man einfach aus dem Weg gehen (die Konflikte bleiben dann ungelöst), oder man kann sich ihnen stellen und sie produktiv nutzen, miteinander die Zukunft zu gestalten. Mediatorinnen und Mediatoren können hier ein Gespräch, z.B. zwischen den Eltern, mit dem Arbeitgeber aber auch mit betroffenen Verwandten anleiten und dafür sorgen, dass die Befürchtungen, aber vor allem die Bedürfnisse beider Gesprächspartner gut gehört werden. Dieses aus dem Gespräch wachsende Verständnis bildet dann die Basis, gemeinsam und eigenverantwortlich Vereinbarungen für die weitere Zukunft zu erarbeiten. Schnell merkt man dann, dass der Partner / die Partnerin die selben Ängste plagen, wie einen selbst, oder dass der Arbeitgeber vielleicht gar kein Interesse daran hat, sich von einer wertvollen Mitarbeiterin / einem wertvollen Mitarbeiter in einer vorübergehenden Krise zu trennen.

Diese dritte Säule im Umgang mit einer schweren Erkrankung des eigenen Kindes ist noch relativ unbekannt und wird zur Zeit noch wenig genutzt. Als Mediator, der sich selbst schon in dieser schwer vorstellbaren Situation befunden hat und auch schon andere Eltern in diesem Ausnahmezustand erlebt hat, ist es mir ein großes Anliegen, diese Möglichkeit vorzustellen, damit betroffene Eltern oder Angehörige den Mut finden, sich die für sie optimale Hilfe zu holen.

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November 2014

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